Wir hoffen doch sehr in der nächsten Zeit endlich mal wieder über Ehemalige berichten zu können.
Unser Sansi (ehemals Shahzad, vermittelt November 2016) mit Frauchen Jasmin macht den Anfang.
Vielen lieben Dank Jasmin für diesen tollen ausführlichen Bericht!
"Es hat etwas gedauert mit den Neuigkeiten aus der Schweiz. Es ist immer viel zu viel los! Gut gibt es Hunde: da kommt man auf dem Spaziergang wieder zur Ruhe und zum Nachdenken.
Hier ein kleiner Beitrag aus Sansis Leben:
Nach sechs Monaten bei uns hat er festgestellt: Die Zweibeiner füllen den Kühlschrank, wissen immer wo es lang geht (na ja, fast immer), beschützen einen vor unfreundlichen Vierbeinern und zudringlichen Zweibeinern und fahren auch so gerne Auto wie er selbst. Auf den täglichen Rhythmus der Menschen ist offensichtlich Verlass. Er kann sich nun entspannen…
Weil er jeden Tag im Schnitt 2.5 Std. Auslauf bekommt und die neu entdeckten Rennfähigkeiten ordentlich Kalorien für den Muskelaufbau brauchen, beklagt sich jetzt das Frauchen über ein doppelt so hohes Budget für den Sansi als für die vorher gehaltene Afghanin. Trotzdem behaupten alle Nicht-Windhunde-Kenner immer noch der arme Sansi sei zu dünn. Dabei hat er sich mindestens 3 kg angefuttert und Frauchen muss sich anstrengen wenn sie ihn herumträgt.
Wir freuen uns trotzdem: Renn-Schenkelchen hat es gegeben und einen raumgreifenderen Schritt J Kaltstarts, Vollgas, engste Wendungen, Hüpf-Stopps, Springen über Hindernisse, alles wird geübt! Und die Freude vom Hund ist riesengross. Jede Renneinheit muss mit viel Lob anerkannt werden. Gerne auch in Form eines Mini-Frolic-Ringlis. Das Selbstbewusstsein wächst, andere Hunde kommen schon nicht mehr hinterher. Der Hund wird langsam ein richtiger Afghane: stolz und immer für einen Spass aufgelegt.
Mit der neu gewonnen Körperfitness stand einem ersten Besuch auf der Windhundrennbahn nichts mehr im Wege. Ein Probeschnuppern am frisch abgezogenen Hasenfell. Uninteressant. Aber die drei Afghanenmädchen, die im Gartenrestaurant dabei waren – die fand er gut. Wir gehen dann mal an ein Training…
Andere Hunde stehen zur Zeit nicht so hoch im Kurs. Zweibeiner sind grad interessanter, v.a. Menschen, die irgendetwas in ihr Auto packen und alle fünf Türen offen haben. Unwiderstehlich! Da könnte er doch gleich mit einsteigen!
Es gab eine Zeit, da war es ziemlich langweilig zu Hause. Kein Hund da, der Action macht. Kein Hund da, der sagt, was zu tun ist. Alles muss Sansi alleine machen. Aber was??? Spielen mit Bällen und Quietsch- oder Stofftieren ist nicht sein Ding. Alte Eierschachteln öffnen, die ein Gutzi enthalten – Fehlanzeige. Fragender Blick. Was muss ich machen? Aber frische Rindsknochen zerlegen in allen Grössen und Stärken, DAS macht Sansi am liebsten! Entsprechend schlacht-mässig sieht er danach aus und Ohrchen und Pfötchen müssen mit Warmwasser und Shampoo gereinigt werden. Ts, ts, ts, dieser Hund sieht sehr harmlos und lieb aus. Aber er ist Knochenrünstig!
Immerhin ist er so pflegeleicht, wie zu Beginn der Übernahme beschrieben. Sogar Zahnstein entfernen mit dem Schaber geht. Das Vertrauen ist schon sehr gross geworden.
Manchmal darf Sansi zum Hüten zu den beiden Schwestern (zwei Freundinnen). Die haben einen sehr coolen Labrador und Haus mit Garten. Wenn wir kommen, rennt der Labrador aus dem Haus raus zu mir und Sansi ins Haus rein zu ihnen. Da steht er dann, lässt sich synchron von beiden Schwestern den Kopf tätscheln und schaut selig glücklich aus seinem Fellchen heraus. Hundemenschen, halt.
Im Minirudel kann man dann wieder all das tun, was vorher sein Leben war: alle Bäume im Garten an einem Abend mindestens dreimal bepinkeln, dem Labrador seine Quakente im ganzen Garten herumtragen, so dass es immer irgendwoher quakt oder imaginäre Gefahren gemeinsam lauthals verbellen.
Im Februar haben wir einen ersten Test für eine zweitägige Langstreckenreise mit Hotelübernachtung gemacht. Für den Hund eine Herausforderung, denn drinnen ist alles viel schwieriger als draussen. Unbekannte Menschen (v.a. Männer), Lift, Treppen, hundefeindliche Böden, enge Durchgänge, Drehtüren, Glastüren, Geräusche, Gerüche… Da er aber gut mitgemacht hat, haben wir jetzt im Juni eine Reise bis in die Uckermark gewagt. Ein geschäftlicher Termin in Berlin zwang uns, ihn auch eine Nacht in die Stadt mitzunehmen. Immerhin in ein Hotel, das nur 200 m vom Tierpark entfernt war, um nicht unendlich viel Angst zu schwitzen, was den Hund anbetrifft. Aber was haben wir gestaunt: der Hund hat das vorbildlich gemacht. Das Training an stark befahrenen Strassen zu Hause hat sich gelohnt. Auf dem Land, in einem sehr ruhigen Restaurant hingegen war es viel schwieriger als in der Grossstadt: trotz Bettchen, das ins Restaurant mitkam und das einen weichen Schutzrand hat (ein so genanntes Liegeschüsselchen), war das eine sehr schwere Übung für Sansi.
Alles in allem ist Sansi wieder ein ganz anderer Afghane als alle die wir wir bis jetzt hatten! Er ist sehr ergeben, fordert fast nichts, braucht einen sehr feinen Umgang. Dafür ist er ein richtig putziger Puschel, immer fröhlich und neugierig und gehorcht für einen Afghanen viel zu gut. Das treiben wir ihm schon noch aus ;-)
Ganz liebe Grüsse aus der Schweiz und viel Mut für Ihre schwierige aber Hunde glücklich-machende Arbeit."




