Das zweite Schätzle aus der Beschlagnahmung ist online. Während Tessa freigekauft werden mußte, hatte Daisy Glück, sie war wohl für die Käuferin nicht hübsch genug :-)
Wir fuhren mit zwei Bussen (also eigentlich einem roten Riesensprinter und einem Hippie-Busle) Mittwochs auf den Parkplatz des örtlichen Supermarkts. Dort standen schon jede Menge Leute herum, Polizei, Straßenwacht, Veterinäramt, Landratsamt, Ordnungsamt und die Mitarbeiter zweier naheliegender Tierheime.
Einsatzbesprechung ca. eine Stunde. Dann fuhren Vetamt und Polizei los, um uns wieder eine Stunde später zu benachrichtigen, es sind lediglich sieben Hunde anwesend. Sieben werden den Besitzern belassen.
Die Straßenwacht hatte die Bundesstraße, an der das Haus lag, abgesperrt und einen LKW Bauzäune angeliefert, um den sicheren Abtransport der Tiere zu gewährleisten, alle Ämter sowie der später hinzukommende Bürgermeister zogen wieder ab. Chapeau an das Vetamt, welches die ganze Aktion bis ins Detail durchdacht und vorbereitet hatte.
Es war die Rede von ca. fünfunddreissig Hunden, welche in Obhut genommen werden sollten...
Donnerstag bauten wir ein sechs Meter Teilstück unseres Zauns neu, zwei Meter hohe Lärchenholzbretter (im Nachhinein ein Glücksfall, dass gerade da das Holz geliefert wurde - danke JACKY!!), absolut ausbruchs- und Dachlawinen-sicher.
Freitag. Tierarzt-Termin mit zwei Butzis (für immer noch Unwissende, interne Bezeichnung für Windspiele), Paten-Butzi Agnes und unsere andere blinde Hutzel Diva, also fast 17 und fast 15 Jahre. Selbstverständlich kuscheln die Butzis in unserem Busle in einem Kuschelbettchen von Gaby Land und nicht in einer Plastikbox oder gar einem Gitterkäfig. Wir, in chicen Klamotten weil hernach noch bei Hilde zum Frühstück eingeladen, bekommen einen panischen Anruf von Cheffe-Helge, die Beschlagnahmung findet JETZT gerade statt, sofort dahin, aber flott!
Augenuntersuchung noch abgeschlossen und los. Keine Maulkörbe und keine Halsbänder dabei.
Bundesstraße nicht abgesperrt.. Polizist will uns aus der Einfahrt werfen, wir sind die Windhundhilfe rufen wir aus dem Fenster, er lässt uns reinfahren.
Frau Amtsvet kommt aus dem Haus und sagt, ah, darf ich Ihnen gleich eine Galga mit zehn Welpen ins Auto laden? "Äh, nein, das darf ich nicht! Aber Afghanen, Afghanen-Mixe und einen alten Podi darf ich nehmen!"
Ok, dann kommt der Besitzer, hat einen abgeschorenen, Afghanenrüden im Arm, trägt ihn in mein Busle, kuschelt ihn nochmal. Ich muß fast heulen. Wie schlimm ist das denn. Die Menschen wollten das Beste, haben sich zuviel zugemutet, übernommen... ich kann das nachvollziehen, verstehen nicht. Ich frage ihn nach dem Namen des Äffles und er sagt Cid. Diva guckt (natürlich thronend auf ihrem Kissen auf dem Vordersitz, angewidert nach hinten und schnuppert... not amused:-) Agnes steht auf dem Fahrersitz und überlegt sich gerade, ob sie pieseln muß oder doch noch nicht... Cid macht es sich derweil in den weichen Kissen bequem und schüttelt seine Ohren.
Der nächste ist ein alter Podi, mein Gott, was für ein toller Hund, Der Besitzer trägt auch ihn in den Bus. Er heißt Rudi, sagt er. Ich fühle mich spontan genötigt, ihn zu trösten und sage:" Er wird ein tolles Zuhause bekommen, das verspreche ich und wenn ich keins finde, bleibt er halt bei mir, Haus und Garten und andere Hunde..."
So schlimm, seine Hunde abgeben zu müssen.
Rudi trifft mich wie ein Blitz direkt ins Herz. Toller Rudi. Roter Rudi. Rot wie mein Rudi, Paten-Afghane in memoriam - aber dieser Rudi ist ein sehr lieber Rudi.
Helge trifft ein und da schon vor mir eine Ladung Hunde in die zwei naheliegenden Tierheime gebracht wurde, fahren wir ins erste, um die Afghanen-Collies abzuholen.
Wir fahren also los, im Rückspiegel sehe ich das Gesicht von Rudi, der ganz entspannt aus dem Fenster guckt während Cid andauernd die Ohren schüttelt.
Daisy


