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18.12.2017

Niemals wollte ich ein Windspiel haben, wie sie laufen, wie sie kläffen und stubenrein sind die auch nicht, igitt!
Früher vertrat ich die Meinung, jeden Hund innerhalb von drei Tagen stubenrein zu bekommen. Hundeleute, die immer undichte Hunde haben, sind Nixblicker.


Zu dieser Spezies durfte ich mich ab November 2005 auch zählen.
Damals kamen zwei achsoherzige Windspielbübchen zu mir, die nur zwei Tage „in Pflege“ waren, dann war klar, die undichten Dinger bleiben. Ein Kosename war auch schnell parat: Butzis.

Enzo und Mio hießen die beiden. Sechs Monate und zwei Jahre alt. Der kleine Schwarze hatte noch keinen Namen, aber schnell war klar, der kann nur Enzo heißen. Ich bin ein Fan von „The big blue“, der italienische, große Taucher Enzo mit dem kleinen Fiat 500, gespielt von Jean Reno - großartig. Passt. Enzo, Enzolino, Enzobutzi.

Der Einzug dieser beiden Butzis läutete das Ende von Körbmöbeln, Stoffsofas, langen Vorhängen, Bodenvasen etc. ein. Besucher wurden zur Ordnung erzogen, hörten sie nicht, selber schuld. Eine Jacke z.B. über den Stuhl zu hängen wurde mit Markieren quittiert. Auch Einkaufskörbe oder Handtaschen mal eben auf den Boden zu stellen, gehörte der Vergangenheit an. Enzo war Meister des Quittierens. Als ich mal mit einer Freundin spazieren war und ein kleines Mädchen seinen Korb-Puppenwagen abstellte, um mit seiner Mutter Ziegen zu füttern, wusste ich, was kommt… rief Enzo aber nicht, hätte nicht gehört, psssst, hoffte, dass das niemand sieht. Also rannte Enzo vor, um die Quittung für unerlaubtes Abstellen eines Gegenstands am Straßenrand auszustellen. Ein Enzo-Spezial-Strafzettel sozusagen. Meine Freundin war empört und ist seit dem nie wieder mitgelaufen

Aber so anstrengend, laut und hibbelig die Butzis auch manchmal sind, so herzig sind sie und man kann sich ihrem Charme nicht entziehen. Gestandene, „coole“ Männer verfallen beim puren Anblick des mittlerweile stark angewachsenen Butzi-Geschwaders spontan in verzückte Babysprache und werden weich wie Butter, wenn dann noch eins der Butzis unter den Pulli krabbelt, ist das Glück beiderseits perfekt

Nun hat mich am Freitag unser kleiner Enzo verlassen. Seit einigen Wochen schon fiel er fast jede Nacht mal aus dem Bett und krähte lautstark, damit man ihn wieder unter die Bettdecke steckte. Das fand ich schon komisch, dann aß er auch nicht mehr so wild wie früher. Ich schob es auf das Alter, vielleicht verträgt er das Luminal nicht mehr so gut (beide erste Windspiele sind Epileptiker) aber am Donnerstag fing er plötzlich an, durch die Gegend zu torkeln und sah durch mich hindurch. Vermutlich hatte er mehrere Schlaganfälle, meinte mein Doc. Am Freitag ließ ich ihn gehen, er dämmerte in seinem Körbchen, bemerkte nur noch kurz den Pieks, es ging ganz schnell.

Mein kleiner Enzo. Er fehlt. Es ist so still und Mio ist superanhänglich. Obwohl inzwischen noch einige Butzis bei mir leben, Enzo und Mio waren immer zusammen, nur selten erwischte man mal einen alleine.

Eine alte Freundin meinte, was, Enzo ist tot? Der immer unsere Telefonate geschrottet hat? Ja, der. Immer krähte er, wollte zugedeckt werden, wollte was essen, wollte spazieren, wollte gestreichelt werden – immer, wenn ich telefonierte. Wie ein kleines Kind, hab ich immer geschimpft.

Enzo war unser Supersportler. Er flog öfter mal aus seinem Körbchen auf der Bank auf den Boden, weil er sich zudecken wollte und es nicht so klappte. Hüpfte abends auf den Couchtisch, um aufs Sofa weiterzuspringen und – stürzte dazwischen ab, weil die Hinterbeine wegrutschten. Sein Gesichtsausdruck dabei wird für immer unvergessen bleiben.
Enzo hatte immer etwas zu beanstanden und tat dies sehr laut kund.

Ich hätte nie gedacht, dass mir das so fehlt.

Aber Enzo war auch total herzig. Er konnte von allen am besten am Tisch betteln und er brachte das jedem Neuen bei, mit mehr oder minder großem Erfolg.
Er hatte eine ganz besondere Art zu laufen, das war mehr ein hüpfen, so goldig. Nie wollte ihm irgendein Pflegehund etwas zuleide tun, Enzos Ego war größer als ein Mammut – alle gingen ihm aus dem Weg und wenn nicht, hörte man ihn

Als die nächsten Butzis dazu kamen, rief man immer „Enzo, Mio… und dann die Namen. Als es mehr wurden, rief man nur noch „Enzo, Mio, Butziiiiiiiiiis!“ Wenns raus ging. Ich muss mich erst noch daran gewöhnen, rufe immer noch Enzo, Mio…. und denke dann, bist du doof.
Enzo fehlt an jeder Ecke, in jeder Minute.

Mio wird diesen Monat vierzehn Jahre alt, hat Epilepsie seit dem zweiten Lebensjahr und nur noch ein Auge. Ich bin beiden Butzis so dankbar, sie haben mich gelehrt, dass es nichts mit nicht stubenrein zu tun hat, wenn ein Butzi ins Haus pieselt, sondern mit Unzufriedenheit. Ja, Enzo war sehr unzufrieden, ihm passte vieles nicht. Er war immer eher der Negative, ein Griesgram, aber ein sehr, sehr liebenswerter.

Mein kleines Enzole, ich wünsche dir von Herzen, dass du da oben auch immer Kaffee mit Sahne findest.
Und mir wünsche ich, dass wir uns wiedersehen, irgendwann.